Mitgestaltung schon als Berufseinsteiger

Ressourcen schonen und verantwortungsvoll mit dem vorhandenen umgehen stand bei Schwörer Haus schon immer an oberster Stelle. Doch auch die Mitarbeiterzufriedenheit hat einen hohen Stellenwert, berichtet uns Johannes Schwörer aus seinem Unternehmen. Was das Unternehmen außerdem ausmacht und was es zukünftig beschäftigt, erfahrt ich im Interview.

Herr Schwörer, wo sollten Ihrer Meinung nach Unternehmen ansetzen, wenn Sie sich für das Gemeinwohl einsetzen wollen? Wie integrieren Sie Ihre Mitarbeiter in Abläufe zur Verbesserung Ihres „Social Impacts“?
Unternehmen sind unter anderem ein Zusammenschluss von Personen, die gemeinsam (Inhaber, Führungskräfte und Mitarbeiter) Produkte und Dienstleistungen anbieten, um dann damit einen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Da in großen Unternehmen sehr viele Menschen an diesem Ziel arbeiten, kann der Hebel über den Multiplikationseffekt extrem hoch sein. Je größer der Hebel, desto größer die Verantwortung.

Deshalb sollte bereits bei der Wahl der Produkte und Dienstleistungen die Verantwortung für das Gemeinwohl eine große Rolle spielen. Langfristig macht es nämlich keinen Sinn den Erfolg durch Produkte oder Dienstleistungen zu erzielen, die die Bedingungen für das Gemeinwohl aber auch für Tier und Pflanzenwelt verschlechtern.

Bei der Wahl ist auch der durch Erfahrung und Forschung ermittelte Erkenntnisstand zu beachten. Vor 60 Jahren war das Wissen, welche Güter gefährlich sind (zum Beispiel Auswirkung auf Gewässerqualität, Luft und Klima)  noch ein ganz anderes als heute. Wird also festgestellt, dass die eingeschlagene Richtung des Unternehmens falsch ist, so muss sofort eine Kurskorrektur vorgenommen werden. Dieser Impuls muss von Unternehmen selbst ausgehen,  bevor das Gemeinwohl beeinträchtigt wird. Bei der Auswahl der für den Bau eingesetzten Materialien spielen diese Überlegungen in unserem Unternehmen eine große Rolle (nachwachsend, CO2 Bindung, Wohngesundheit etc.).

Die C19 Krise löste bei uns im Unternehmen die Frage aus, wie wir die Infektionskette optimal verhindern können. Aufgrund der Maßnahmen, die in einem sofort gebildeten Krisenstab diskutiert und entschieden wurden, aber gerade auch durch das konsequente Umsetzen dieser Maßnahmen von allen unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist uns dies gelungen.

Ihr Unternehmen wurde von den von uns befragten Experten zu den Unternehmen gewählt, die helfen, die Welt ein Stück besser zu machen.  Wann rückte für Ihr Unternehmen die Thematik verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen in den Fokus?
Nachhaltiges Wirtschaften steht bei uns an erster Stelle, also weit vor der Frage nach Umsatz und Gewinn.

Unser Unternehmen wurde 1950 gegründet. Damals stand (aus der wirtschaftlichen Not heraus) verantwortungsvoller Umgang mit Material aus Kostengründen an erster Stelle. Später (seit Ende 1970) beschäftigten wir uns stark mit dem Energieverbrauch unserer Produkte in der Nutzungsphase (also über den Bau hinaus). So entstand unser Unternehmensbereich für zentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. In den 1990 beschäftigten wir uns dann mit den Produktionsprozessen am Standort (Wärme/ Energieverbräuchen). Ergebnis dieser Überlegung war die eigene Stromproduktion mittels Kraft-Wärme-Koppelung. 1997 wurden wir dann zum ersten Mal EMAS zertifiziert. In den darauffolgenden Beratungsprozessen und vor allem als Ergebnis aus vielen internen Verbesserungsprozessen wurde die Frage der Nachhaltigkeit zum Thema Nr. 1 in unserem Unternehmen.  

Johannes Schwörer studierte an der Universität Tübingen, Jura und schloss nach seinem Referendariat am OLG Stuttgart mit dem 2. Staatsexamen ab. Danach war er ab 1995 als Prokurist bei der SchwörerHaus GmbH & Co mit Sitz in Sigmaringen, wo er zunächst für Vertrieb und Marketing verantwortlich war. Seit 1998 ist er persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer der SchwörerHaus KG mit Sitz in Hohenstein-Oberstetten. 

Daneben ist er ehrenamtlich als Mitglied der Vollversammlung der IHK Reutlingen-Tübingen-Zollernalb und als Vizepräsident und Präsidiumsmitglied seit 2011 tätig. Außerdem ist Johannes Schwörer Präsident des Hauptverband der Deutschen Holz und Kunststoffe verarbeitenden Industrie und verwandter Industriezweige (HDH).

Damit kann man sagen, Nachhaltigkeit war für Sie von Beginn an ein wichtiges Thema. Doch selbst jetzt durch die Klimadiskussion scheinen sich einige Unternehmen und Menschen diesem Thema immer noch verschließen zu wollen.  
Eigentlich müssten alle das Problem verstanden haben. Da die Lösungsansätze aber konkrete Veränderungen im Alltag mit sich bringen, werden unsinnige Ausreden gesucht, um Fehlverhalten zu rechtfertigen.

Wir sind deshalb viel zu langsam unterwegs. Wir müssen Lösungen suchen und keine Ausreden.

Nur durch tägliche Kontrolle der eigenen Handlungen und konsequentes Abschaffen von Fehlverhalten wird eine Verbesserung eintreten. Jeder muss einen persönlichen Beitrag leisten. Nur den Nachbarn kritisieren reicht nicht aus.

Wir fragten konkret nach Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen Menschen in ihrer Gesundheit, ihrer Bildung oder anderen Lebensbereichen wirksam unterstützen oder die dazu beitragen, dass das Ökosystem entlastet wird. Können Sie den Lesern konkrete Beispiele dafür nennen, an welchen Stellen dies für Ihr Unternehmen zutrifft?
Holz bindet beim Wachsen CO2. Durch die Verarbeitung des Werkstoffes beim Hausbau und in Plattenwerkstoffen wird CO2 dann für einen langen Zeitraum der Atmosphäre entzogen. Wegen der regionalen Herkunft der Hölzer werden nur kurze Transportwege erzeugt und damit Energie sorgsam genutzt.
Aufgrund durchdachter Bautechnik wird der Energieverbrauch unserer Häuser stark reduziert. Dadurch wird weniger Energie (und damit CO2) fürs Heizen benötigt. Der Einsatz von „Gründen Wänden“ im Wohnraum sorgt für eine Verbesserung der Luftqualität. Mit PV-Modulen und Batteriespeicher werden auch zukunftsweisende Energielösungen für den Kunden angeboten. Bei dem Produktionsprozess wird weniger graue Energie benötigt. Durch Materialdatenbanken entstehen möglich Rohstofflager für die Zukunft. Mit unseren FlyingSpace-Wohnraummodulen wird weniger Fläche versiegelt.

Gibt es Produkte und Dienstleistungen, die Sie in der Pipeline haben und zukünftig einen wertvollen ökologischen, technologischen oder gesellschaftlichen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und Allgemeinwohl leisten können?
Bei Dämmmaterial wollen wir Versuchsvorhaben mit Stoffresten machen.
Bei unserer Lüftungsanlage testen wir den Einsatz von Algen zur weiteren Verbesserung.

Bezüglich der Fassadenbeschichtung sind wir in Versuchen mit Textilien auch bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes.
Mit unseren Raummodulen (Flying Space) wollen wir die Nachverdichtung in den Städten, insbesondere auf den Dächern ermöglichen und bezahlbar gestalten. Durch das Konzept Modul und Dachgarten soll auch die Erweiterung für die umliegenden Häuser und deren Bewohner als annehmbar entworfen werden. Hier ist aber eine politische Trendwende im baugenehmigungsrechtlichen Verfahren notwendig.

Für Berufseinsteiger ist die Frage, wie sinnstiftend sie in ihrem Beruf arbeiten können, eine ganz zentrale. Welche Vision von Zukunft können Sie für diejenigen (Hochschulabsolventen) entwerfen, die Sie dabei begleiten möchten?
Wir sind eine lernende Organisation, auf der Suche nach Verbesserungen und neuen sinnstiftenden Produkten. Hier kann, darf und soll sich jeder Berufseinsteiger einbringen. Die zukünftigen Arbeitsaufgaben können also mitgestaltet werden. Gleichzeitig ist ein Team von erfahrenen Fachleuten im Unternehmen beschäftigt die hilfreich bei den weiteren Entwicklungen zur Seite stehen. Lange Betriebszugehörigkeiten bestätigen, dass diese Vorgehensweise für unsere Mitarbeiter sehr attraktiv ist.

Wie wichtig ist es für Sie persönlich, dass Arbeit sinnstiftend sein muss?
Ich selbst bin vor 25 Jahren (Ende 1995) in unser Unternehmen gekommen und habe es sowohl von außen als auch von innen als traditionell und trotzdem innovativ (eine seltene Kombination) erlebt. Seit diesem Zeitpunkt haben wir viele Krisen (Baukrise (1998-2010), DotCom Blase (2001), Finanzmarktkrise (2008 und 2009) und nun die Corona Krise erlebt. Wie eine Insel, auf die man sich retten kann, haben wir aber alle Veränderungen unbeschadet überstanden und sind in all den Jahren kontinuierlich gewachsen. Viele Mitarbeiter und deren Familien vertrauen darauf und bringen sich täglich – wie bei einem guten Orchester – ein. Wir verlassen uns aufeinander.

Für mich persönlich ist es wichtig, diese lebende Organisation zu erhalten und in die nächste Generation zu führen.

SchwörerHaus gehört mit über 41.000 gebauten Häusern zu den größten Fertighausherstellern in Deutschland. Pro Jahr kommen ca. 1.000 neue Häuser hinzu.  Seit 2011 wurde zudem ca. 300 FlyingSpaces-Wohnmodule realisiert. Der Baustoff,  PEFC-zertifiziertes Holz aus der Region und wird im eigenen HolzWerk verarbeitet. Anfallende Holzreste werden im Biomasse-Heizkraftwerk zu 8.5000 KWh umgewandelt. 

Als Unternehmen der Fertigbaubranche beschäftigt die SchwörerHaus KG rund 1.850 Mitarbeiter:innen. 1950 gegründet, expandierte das Unternehmen auf nun 7 Standorte in Deutschland.

In der Eingrenzung des Themas „Arbeitgeber, die helfen, die Welt besser zu machen“ haben wir den Befragten auch die Unternehmenskultur als ein Instrument genannt, über das die Gesellschaft positiv beeinflusst werden kann. Wie geht man in Ihrem Unternehmen miteinander um?

Wichtig ist uns, klare Erwartungshaltungen zu formulieren. Wir empfinden uns als Sinn- und Zweckgemeinschaft und dies formulieren wir auch so. Bei der letzten Mitarbeiterbefragung (2019/20) haben auf die Frage „Engagieren sie sich gerne für unser Unternehmen?“  93 Prozent der Mitarbeiter mit „ja“ geantwortet. Ansonsten haben wir durchaus einen kritischen Dialog miteinander (zum Beispiel Bedingungen am Arbeitsplatz 31 Prozent nur mittelmäßig), der Sinn hält uns aber trotzdem zusammen. Das heißt aber natürlich nicht, dass die Bedingungen am Arbeitsplatz nicht auf weitere Verbesserungsmöglichkeiten hin untersucht und wenn möglich auch verbessert werden (2017 lagen wir noch bei 35 Prozent nur mittelmäßig).

Wenn Sie 10 Jahre in die Zukunft blicken, welche Veränderungen sehen Sie für unsere Welt?
Die Mobilitätsfrage sollte bis dahin gelöst sein. Die Städte sollten durch attraktiven Wohnraum, mit viel Grüngestaltung, lebenswerter geworden sein. Der Klima- und Umweltschutz sollte weltweit auf Priorität 1 stehen. Jegliche Zerstörung unserer Lebensgrundlage sollte von allen Organisationen und Regierungen abgelehnt und geächtet werden. Über EDV Technologie sollte weltweit ein Bildungszugang bestehen, der für alle Menschen aufrechterhalten wird.

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