„Ohne Sinn kann man kaum motiviert sein“

Die ElringKlinger-Gruppe ist ein Systempartner der Automobilindustrie. Das hört sich zunächst nicht sehr nachhaltig an. Die gesamte Branche durchläuft jedoch eine Transformation und auch ElringKlinger fokussiert sich zunehmend auf die Entwicklung grüner Technologien. Herr Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender von ElringKlinger, hat mit uns über eine nachhaltige und soziale wirtschaftliche Unternehmensentwicklung im Automotive-Sektor gesprochen.

Herr Dr. Wolf, Welche Verantwortung für das Gemeinwohl tragen Unternehmen heute?
Eine große. ElringKlinger sieht sich beispielsweise bestimmten Grundwerten verpflichtet, die auf die Philosophie unseres Firmengründers Paul Lechler zurückgehen. Diese Werte finden sich bis heute in unseren Unternehmensleitlinien wieder. Obwohl ElringKlinger mittlerweile börsennotiert ist und sich den Anforderungen des Kapitalmarkts stellt, sind wir nach wie vor geprägt vom Gedanken eines Familienunternehmens. Bis heute halten die Familien Lechler, welche als Mehrheitsaktionär an der ElringKlinger AG beteiligt sind, an der von Paul Lechler eingeführten Tradition fest und führen einen Teil ihrer Einkünfte für gemeinnützige Zwecke über die Lechler-Stiftung ab.
Im Rahmen unseres gesellschaftlichen Engagements unterstützt ElringKlinger vor allem im regionalen Bereich soziale Einrichtungen. Wir fördern aber auch Investitionen in Wissenschaft und Bildung. Kürzlich spendeten wir beispielsweise unsere Bestände an FFP-2-Masken an umliegende Institutionen, unter anderem auch an das Uniklinikum Tübingen.

ElringKlinger wurde von den von uns befragten Experten zu den Unternehmen gewählt, die helfen, die Welt ein Stück besser zu machen. Welche Bedeutung hat nachhaltiges Wirtschaften für Ihr Haus heute und welchen Weg sind Sie dafür gegangen?
Zunächst einmal ist es so, dass wir börsennotiert sind und entsprechend gegenüber unseren Anleger:innen Verpflichtungen haben. Dennoch findet unser Nachhaltigkeitsengagement hinsichtlich Umwelt, Mitarbeitenden und Gesellschaft auch am Kapitalmarkt immer mehr Anerkennung. Denn Anleger bewerten zunehmend auch das verantwortungsvolle Handeln von Unternehmen, die die Grundsätze nachhaltigen Wirtschaftens in den Mittelpunkt stellen.
Wenn Sie einen Blick auf unser Produktportfolio werfen, wird klar: Als einer der wenigen Automobilzulieferer haben wir die Transformation schon sehr frühzeitig angestoßen. ElringKlinger ist beispielsweise im Bereich der Batterie- und Brennstoffzellentechnologie bereits seit einigen Jahren Serienlieferant und wir bekennen uns klar zur emissionsfreien Mobilität.

Unternehmenszentrale von ElringKlinger in Dettingen/Erms.

Mit Batterie- und Brennstoffzellentechnologie sowie elektrischen Antriebseinheiten haben wir uns frühzeitig als Spezialist für Elektromobilität positioniert.
Für eine Vielzahl von Anwendungen entwickeln wir verschiedene Dichtungslösungen kontinuierlich weiter.
Unsere Abschirmsysteme sorgen im gesamten Fahrzeug für ein optimales Temperatur- und Akustikmanagement.

Durch die Klimadiskussion kann es sich kaum ein Unternehmen erlauben, sich nicht mit Nachhaltigkeitsfragen zu beschäftigen. Was empfinden Sie persönlich, wie gut wir unterwegs sind zu einer Welt, die behutsamer mit dem Leben und den Ressourcen auf dem Planeten umgeht?
Gerade in den vergangenen Jahren hat sich hier viel getan. Bewegungen wie „Fridays for Future“ tragen dazu bei, dass das Thema auch in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit findet. Ich denke, dass mittlerweile die allermeisten Menschen ein großes Bewusstsein dafür erlangt haben, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher. Leider gibt es aber immer noch Länder, die das nicht so sehen. Der Klimawandel ist ein globales Problem, das wir nur gemeinsam lösen können. Wir, als weltweit agierendes Unternehmen, werden unseren Teil auch in den kommenden Jahren dazu beitragen.

Wir fragten konkret nach Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen Menschen in ihrer Gesundheit, ihrer Bildung oder anderen Lebensbereichen wirksam unterstützen oder die dazu beitragen, dass das Ökosystem entlastet wird. Können Sie den Lesern konkrete Beispiele dafür nennen, an welchen Stellen dies für Ihr Unternehmen zutrifft?
Da gibt es verschiedene Beispiele. Zunächst einmal tragen unsere Produkte aus den Bereichen Dichtungstechnologie, Abschirmung und Leichtbau dazu bei, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren effizienter werden, sie also weniger Kraftstoff benötigen und damit auch weniger Abgase emittieren.
Darüber hinaus sind wir seit 20 Jahren im Bereich der Brennstoffzelle aktiv. Letztes Jahr haben wir mit Airbus eine Partnerschaft geschlossen. Gemeinsam wollen wir mit dieser Technologie die Luftfahrt erschließen. Unser Joint Venture mit dem französischen Zulieferer Plastic Omnium hat wiederum das Ziel, der Wasserstoffmobilität auf der Straße zum Durchbruch zu verhelfen. Auch im Bereich der Batterietechnologie tut sich viel, hier sind wir seit 10 Jahren aktiv. Seit 2013 liefern wir beispielsweise so genannte Zellkontaktiersysteme für den BMW i3. Erst kürzlich haben wir einen Großauftrag über Batteriekomponenten erhalten und ein neues Werk für Zukunftstechnologien in Betrieb genommen.

Wer etwas bewegen will, kann dies tun.

Dr. Stefan Wolf

Für Berufseinsteiger ist die Frage, wie sinnstiftend sie in ihrem Beruf arbeiten können, eine ganz zentrale. Welche Vision von Zukunft können Sie für diejenigen (Hochschulabsolventen) entwerfen, die Sie dabei begleiten möchten?
Bei ElringKlinger gab es schon immer die Möglichkeit, sehr früh viel Verantwortung zu übernehmen. Wer etwas bewegen will, kann dies tun. Nicht selten übernehmen Berufseinsteiger nach kurzer Zeit bei uns federführend Projekte, reisen zu unseren weltweiten Kunden und sind eigenständig in ihrem Tun. Gerade in den neuen Geschäftsfeldern wie der Batterie- und Brennstoffzellentechnologie gestaltet man die nachhaltige Mobilität so ein Stück weit mit.

Wie wichtig ist es für Sie persönlich, dass Arbeit sinnstiftend sein muss?
Sehr wichtig natürlich. Ohne Sinn kann man kaum motiviert sein. Und ohne Motivation entsteht wenig Leistungsbereitschaft. Das wiederum würde sich relativ schnell auf das Unternehmen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswirken.

Dr. Stefan Wolf war von 1994 bis 1997 als Rechtsanwalt bei der Kanzlei Thümmel, Schütze & Partner beschäftigt.
Im Jahr 1997 trat er als Syndikusanwalt in die Elring Klinger GmbH ein.
Von 1998 bis 2000 war er Bereichsleiter Recht und Personal bei der Elring Klinger GmbH.
Mit dem Börsengang der ElringKlinger AG im Jahr 2000 übernahm Dr. Stefan Wolf zusätzlich die Leitung der Abteilung Investor Relations und Kapitalmarktbetreuung.
2004 wurde er zum Generalbevollmächtigten des Vorstands der ElringKlinger AG berufen und 2005 zum Sprecher des Vorstands ernannt. Seit 2006 ist Dr. Stefan Wolf Vorsitzender des Vorstands.

In der Eingrenzung des Themas „Arbeitgeber, die helfen, die Welt besser zu machen“ haben wir den Befragten auch die Unternehmenskultur als ein Instrument genannt, über das die Gesellschaft positiv beeinflusst werden kann. Wie geht man in Ihrem Unternehmen miteinander um?
Grundlage der Unternehmenskultur von ElringKlinger ist die Verbindung von langfristigem wirtschaftlichem Erfolg mit dem Schutz der Umwelt und mit sozialer Verantwortung. Das Prinzip der Nachhaltigkeit zieht sich bei uns durch alle Bereiche. Unsere Stärke war schon immer ein großer, bereichsübergreifender Zusammenhalt. Gerade jetzt in der Pandemie beweisen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder, wie loyal sie gegenüber dem Unternehmen sind. Das ist, glaube ich, schon eine Besonderheit, die ElringKlinger auszeichnet.

Wie sollte die Welt in 10 Jahren aussehen und was sind die größten Herausforderungen auf diesem Weg?
Zunächst einmal ist es wichtig, dass wir nun zügig die Corona-Pandemie hinter uns lassen und dass die Wirtschaft schnell zu alter Stärke zurückfindet. Wir alle sehnen uns nach Normalität, auch im Privaten. Sicherlich wird es dann auch wieder vermehrt so sein, dass die Menschen ins Büro kommen werden. Aber dass wir wieder so arbeiten werden wie früher, glaube ich nicht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das flexible Arbeiten schätzen gelernt und wollen darauf nicht mehr verzichten. Hierauf müssen sich Unternehmen einstellen. Unsere größte gesellschaftliche Herausforderung ist und bleibt der Klimaschutz – weltweit. Wenn wir es schaffen, hier einen globalen Beitrag zu leisten, ohne dass wir dafür Wohlstandsverluste in Kauf nehmen müssen, haben wir richtig was gekonnt. Es benötigt aber alle Länder dazu. Die USA scheinen wieder dabei zu sein. Bei anderen Nationen, vor allem in Asien, muss hingegen ein Umdenken in der Klimapolitik stattfinden.

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