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„Der nachhaltige Erfolg unserer Kundschaft ist unsere Motivation“

Die Nachhaltigkeit beginnt schon an der Spitze der Lieferkette. Dies beweist der Großhändler METRO, welcher durch sein ökologisches und ethisches Wirtschafen die Nachhaltigkeit auch in die Häuser seiner Kundschaft interpretiert. Wie dies genau aussieht und was der sinnstiftende Arbeitgeber alles zu bieten hat, erzählt uns Andrea Euenheim, CHRO und Arbeitsdirektorin der METRO AG.

Welche Verantwortung für das Gemeinwohl tragen Unternehmen heute?
Lassen Sie mich das am Beispiel von METRO und unseren Kund:innen spiegeln. In Europa stellt die Gastronomie ein Kulturgut dar und ist damit ein essenzieller Teil des Gemeinwohls. Die überwiegende Mehrheit der Gastronom:innen sind Gastgeber:in aus Leidenschaft, und die Kund:innen lieben sie dafür. Wie es uns ohne die Gastronomie geht, bekommen wir in der heutigen COVID-Zeit deutlich zu spüren. Unsere Kund:innen, dazu zählen auch unabhängige Händler:innen, stehen nicht zuletzt wegen COVID vor großen Herausforderungen: Auch Regulierungen, Personalmangel und neue Formen des Wettbewerbs erfordern ein Umdenken. Mehr Transparenz, mehr Auswahl und mehr Innovation sind gefragt. Wir nutzen mehr Plattformen als je zuvor, und die Gesellschaft erwartet – zu Recht – dass Lieferketten immer nachhaltiger werden. Wir als METRO müssen uns in die Lage unserer Kundschaft und damit auch ihrer Kund:innen versetzen. Nur so können wir ihren Bedürfnissen nachkommen. Und nur so unserer Verantwortung für das Gemeinwohl gerecht werden.

Welche Bedeutung hat nachhaltiges Wirtschaften für die METRO und welchen Weg sind Sie dafür gegangen?
Zeiten wie diese bergen neben allen Herausforderungen auch große Chancen. Seien es Chancen zum Innehalten, Bewusstmachen von vermeintlich Selbstverständlichem sowie Versäumtem oder Gelegenheiten, Konzepte zu überdenken und anzupassen. Mehr als je zuvor sind sich Verbraucher:innen der ökologischen und gesellschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Entwicklung bewusst. Sie haben die Art und Weise verändert, wie sie konsumieren, sowohl zu Hause als auch in Restaurants. Wir haben uns bereits vor mehreren Jahren hierauf eingestellt. Mittlerweile ist das Thema Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen angekommen. Mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie METRO SUSTAINABLE decken wir die Aspekte und Belange ab, die unser Geschäft am stärksten beeinflussen und auf die wir durch unsere Geschäftstätigkeit einen großen Einfluss nehmen können – gemeinsam mit unseren Partner:innen und Kund:innen.
Wir können langfristig erfolgreich sein, wenn wir unsere Kundschaft unterstützen ihr Geschäft nachhaltig zu betreiben, indem wir gemeinsam an Lösungen arbeiten, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden oder einen bewussteren Konsum unterstützen, während wir eine ausgewogene Nutzung von Proteinen fördern sowie mehr Bioprodukte und andere verantwortungsbewusste Produkte anbieten. Gleichermaßen sind wir uns unserer Verantwortung und Chancen bewusst, wenn wir für Menschenrechte einstehen, innovative Lösungen im Bereich Verpackung und Plastik erarbeiten, einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten oder den Einkauf von Rohstoffen nachhaltig gestalten sowie Vielfalt und Inklusion fördern.

Was empfinden Sie persönlich, wie gut wir unterwegs sind zu einer Welt, die behutsamer mit dem Leben und den Ressourcen auf dem Planeten umgeht?
Wir verbrauchen mehr, als wir haben. Dass die Weltbevölkerung und damit der Ressourcenverbrauch zunimmt ist Fakt. Die damit einhergehenden Auswirkungen betreffen uns in fast allen Lebensbereichen: Extreme Wetterlagen, Dürren, Waldbrände, Pandemien, Artensterben, geopolitische Krisen und Wirtschaftskrisen. Wir müssen viel mehr über Nachhaltigkeit sprechen und mehr dafür tun! Wir haben beispielsweise rund 7.000 Kund:innen aus 23 Ländern gefragt, was sie zu dem Thema sagen. 57 Prozent fühlen sich „vollkommen“ für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich, 34 Prozent ein wenig. Doch für viele bedeuten Umweltschutz und soziales Engagement gleichzeitig einen erhöhten Zeit- und Kostenaufwand, was dazu führt, dass sie nicht in dem Maße nachhaltig arbeiten können, wie sie es gerne würden. Hier können wir ansetzen und zeigen, dass es anders geht. Denn: Nachhaltigkeit beschäftigt viele – an der Umsetzung muss noch gefeilt werden.

Arbeitgeber METRO nachhaltigerAndrea Euenheim ist seit November 2019 Mitglied als CHRO und Arbeitsdirektorin Mitglied des Vorstands der METRO AG. Sie ist verantwortlich für die Entwicklung und Umsetzung der Personalstrategie sowie für die globalen Bereiche Corporate Public Policy, Corporate Responsibility und Digital Business.  Andrea Euenheim absolvierte einen Magisterstudiengang in Linguistik, Soziologie, Psychologie und Betriebswirtschaft. Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie bei General Electric als HR-Managerin, und übernahm verschiedene Managementfunktionen bei Amazon Europe und anschließend in Seattle, USA.

Wie genau verhilft METRO zu einem gesteigerten Gemeinwohl und einer gesunden Umwelt?
Wie ich gerade erläutert habe, ist das Thema Nachhaltigkeit auch im Bewusstsein unserer Kundschaft angekommen, dennoch fehlen teilweise die Ressourcen oder die Ansätze für eine Umsetzung. Aus diesem Grund haben wir im letzten Jahr für unsere Kund:innen den How-To-Guide Mein nachhaltiges Restaurant entwickelt, mit dem wir zeigen, wie und an welcher Stelle sich nachhaltige Konzepte in der Gastronomie praktisch umsetzen lassen. Darunter zählen umweltfreundliche und soziale Produkte und Dienstleistungen, sei es bei der Rekrutierung von Personal, der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, dem Reduzieren von Müll, der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen oder durch das Angebot regionaler Produkte.
Aber auch digitale Lösungen können, gerade in der aktuellen Situation, einen Unterschied machen: Gerade durch die Verlängerung des 2. Lockdowns ist es besonders wichtig, dass weitere Möglichkeiten zur Umsatzgewinnung für die Gastronomie angeboten werden. Daran arbeitet beispielsweise unsere Tochtergesellschaft Hospitality Digital. Mit unserem Tool MenuKit können Gastronom:innen zum Beispiel ihren Wareneinsatz, der derzeit sicherlich geringer ausfällt, berechnen und somit nicht nur Geld sparen, sondern auch ihre Lebensmittelabfälle reduzieren.

Haben Sie Projekte in der Pipeline, die einen gesellschaftlichen oder ökologischen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und Allgemeinwohl leisten können?
Wenn man sich mit Nachhaltigkeitsthemen beschäftigt, wird schnell deutlich, dass sich durch Zusammenarbeit immer mehr bewegen lässt. Dies ist auch künftig ein wesentlicher Punkt in unserem Engagement. Zu vielen bereits genannten Themen stehen wir daher über Mitgliedschaften und Kooperationen in direktem Kontakt zu anderen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette. So können wir die Herausforderungen gemeinsam angehen und entsprechend größere Wirkungen erzielen, denn letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot. Komplexe Themen – wie nur beispielhaft die Umsetzung entwaldungsfreier und menschenrechtskonformer Lieferketten – können nur gemeinsam vorangebracht werden. Hier wird auch weiterhin ein Fokus von uns liegen.
Wenn wir auf Innovationen und Produkte schauen, so freue ich mich besonders auf einige spannende Projekte im Bereich Food Waste – auch hier arbeiten wir eng mit externen Partnern zusammen: In diesem Jahr werden wir in Polen gemeinsam mit einem Start-up eine interessante Lösung vorstellen, bei der die Preisgestaltung der Produkte anhand des MHDs angepasst wird. Darüber hinaus steht auch unsere Partnerschaft mit dem Start-up ToGoodToGo, die im letzten Jahr auch den deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen haben, weiter für uns im Fokus und wir wollen noch mehr unserer Kund:innen motivieren, nicht verkaufte Speisen über die entsprechende App anzubieten.

Welche Vision von Zukunft können Sie für Berufseinsteiger:innen entwerfen, die Sie bei Ihrem Tun und den nachhaltigen Projekten begleiten möchten?
Heute sind der sogenannte Purpose, also die Selbstbestimmung, und die Innovationskraft essenzielle Aspekte für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. In diesem Kontext muss sich natürlich auch METRO die Sinnfrage stellen: Wozu sind wir eigentlich da? Was ist unser wesentlicher Nutzen für die Gesellschaft? Die Differenzierung im Markt können wir als Großhändler schließlich nicht mehr allein über die Qualität und Frische unserer Ware herstellen. Unsere Antwort auf die Sinnfrage ist im Grunde sehr einfach: Unsere Aufgabe ist es, zum Erfolg unserer Kund:innen aktiv beizutragen. Ihr nachhaltiger Erfolg ist unsere Motivation. So bauen wir unter dem strategischen Dach von „Wholesale 360“ sukzessiv unser Angebot an nachhaltigen Lösungen mit wirtschaftlichem Mehrwert für unsere Kundschaft aus. Hierunter fassen wir unser breites Portfolio an Produkten, Beratung, digitalen Tools, Dienstleistungen und Equipment sowie einen Online-Marktplatz. Ich denke, das macht deutlich, wo wir in Zukunft hinwollen.
Ein Thema, das ich noch nicht angesprochen habe, mir aber persönlich sehr am Herzen liegt, ist: Wir wollen ein Umfeld und eine Unternehmenskultur schaffen, in der jeder Einzelne seine individuellen Stärken und Potenziale entfalten und nutzen kann, denn engagierte, motivierte und fähige Mitarbeiter:innen sind die Grundlage unseres Erfolgs. Sie sollen gehört und gefördert werden und die Möglichkeit haben, etwas zu bewegen. Das würde wahrscheinlich an dieser Stelle jeder Personalvorstand so sagen. Ich formuliere es mal auf meine Art: Nicht nur die Ziele unserer Mitarbeiter:innen, also das „Was“, sondern auch das „Wie ich etwas geschafft habe“ ist wichtig. 

Die Basis hierfür ist eine Eigentümerkultur, die unser Handeln verbindet und leitet. Innovationen kommen nie ohne Risiken. Daher bedarf es einer Führungskultur, die Mitarbeiter:innen dazu anspornt, täglich ihr Bestes zu geben und sich „auszutoben“ sowie aus Fehlern zu lernen, angstbefreit zu denken und selbstbewusst an neuen Ideen zu arbeiten. COVID-19 war in diesem Sinne ein Katalysator. Alle stehen füreinander ein, helfen sich aus, improvisieren schnell und unbürokratisch. Gleichzeitig findet eine intensive Abstimmung untereinander statt. Es gibt unglaublich viel Solidarität. Und es gibt extrem viel Mitgefühl, für Kolleg:innen, aber auch für unsere Kund:innen. Den Zusammenhalt und Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finde ich grenzenlos.  Und das geht nur im Kollektiv. Das kann man alleine nicht schaffen. Sondern nur, wenn man wirklich dieses Thema Unternehmenskultur zu einer Priorität macht.

METRO ist ein führender internationaler Großhändler, der auf die Bedürfnisse von Hotels, Restaurants und Caterern (HoReCa) sowie von kleinen Händlern spezialisiert ist. Die weltweit über 16 Millionen METRO Kunden können wahlweise in einem der großflächigen Märkte einkaufen, online bestellte Ware dort abholen oder sich beliefern lassen. Mit digitalen Lösungen unterstützt das Unternehmen die Branche

Vom ersten METRO Großmarkt der 1964 in Mülheim an der Ruhr eröffnete, ist das Großhandelsunternehmen auf inzwischen 103 Großmärkte in ganz Deutschland angewachsen. Weltweit beschäftigt METRO rund 97.000 Mitarbeiter:innen.

Frau Euenheim, wie wichtig ist es für Sie, dass die Arbeit sinnstiftend sein soll?
Was mich bei METRO besonders bewegt, ist die Leidenschaft und Bodenständigkeit unserer Teams, die die Leidenschaft und Bodenständigkeit unserer Kundschaft und Geschäftspartner:innen widerspiegeln. Das macht ja auch den Charme und die Seele dieser Branche aus und ist super wertvoll für die Arbeit eines Personalers und für das ganze Unternehmen. Unsere Teams leisten täglich einen Beitrag für die Unternehmer:innen, deren Familien, Kund:innen und für die Vielfalt in der Branche und das ist ihr Ansporn. Es ist also ein sehr persönliches Thema.

Wie genau sieht die Unternehmenskultur in Ihrem Haus aus?
Wir bieten ein vielfältiges und integratives Umfeld. Nur wenn unterschiedliche Perspektiven an einem Tisch sitzen, kann die beste Entscheidung getroffen werden. Dabei ist es nicht entscheidend, welches Geschlecht ich habe, wie ich aussehe oder wo ich herkomme; es ist spannend, unterschiedliche Meinungen zu hören und von jedem einzelnen zu lernen. Ganz in diesem Sinne stammen unsere Mitarbeiter:innen in Deutschland aus 110 Nationen; weltweit sind es 151. Zudem wissen wir aus Studien, dass Unternehmen mit einem sinnstiftenden Unternehmenszweck und mit gelebten Werten Mitarbeiter:innen binden und neue anziehen können. Wir haben unsere Kolleg:innen inmitten der Corona-Pandemie anonym zu ihrem Verhältnis zur METRO befragt. Und ihre Antworten sind ermutigend. Denn selbst in dieser Phase der Unsicherheit ist die Verbundenheit mit dem Unternehmen und die Identifikation mit METRO noch einmal deutlich gewachsen. Das ist ein starkes Signal!

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Gesellschaft in den nächsten 10 Jahren entwickeln?
Mit Prognosen ist es ja immer so eine Sache. Ein schlauer Mensch sagte mal: ‚Die Zukunft wird besser sein als die Gegenwart und die Vergangenheit. Das war historisch immer so.‘ Darauf hoffe ich. Dabei gibt es so viele Themenbereiche, die ich jetzt anschneiden könnte, ich möchte mich aber auf zwei fokussieren: Digitalisierung und gesunde Ernährung. Für die Gastronomie wird sich verstärkt eine Chance ergeben, mithilfe digitaler Tools ihre Prozesse noch besser zu justieren und ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. In unserer Branche kann man Technologie jedoch nicht systemisch, sondern nur inklusiv einführen. Es geht nur durch Zusammenarbeit, über die der/die einzelne Unternehmer:in den nachhaltigen Vorteil auch in den Zahlen erkennt. Und das haben viele in diesen Zeiten erkannt. Außerdem: Die heranwachsenden Generationen haben für sich als Prioritäten das Beisammensein, das Genießen und die gesunde Ernährung entdeckt.  Wir benötigen also eine für Mensch und Umwelt gesunde und nachhaltige Ernährung. Dabei könnten alternative Proteinquellen basierend auf Pflanzen, Pilzen, Algen aber auch Insekten unsere Abhängigkeit von der ressourcenintensiven Viehwirtschaft verringern. In der Gastronomie verlangen Gäste beispielsweise vermehrt nach fleischlosen Alternativen – und das nicht nur aus ethischen und nachhaltigen Gründen, sondern weil die gesunden, pflanzenbasierten Produkte locker mit Fleischprodukten mithalten können. Daran arbeiten auch wir auf Hochtouren und haben in Zukunft einiges vor!

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